Untersuchung: Die Trends und Tools, die hinter Beauty-Tech stehen

Wenn du in den letzten ein oder zwei Jahren deine Augen auch nur ein wenig auf die Online-Beauty-Welt gerichtet hattest, ist es dir schon klar: Beauty-Tech ist auf dem Vormarsch. 

Technologie und künstliche Intelligenz (KI) verändern die Dinge nahezu überall – und die Schönheitsbranche ist davon keine Ausnahme. Im Jahr 2021 wurde der Beauty-Tech-Markt auf satte 52,53 Milliarden Dollar geschätzt, doch in den kommenden Jahren wird sein Wert auf mehr als das Dreifache ansteigen. Experten schätzen, dass der Beauty-Tech-Markt bis 2030 auf 189,15 Milliarden Dollar anwachsen wird. Allein der KI-Beauty-Sektor soll sich bis 2027 auf 6,8 Milliarden Dollar katapultieren. 

Doch die eigentliche Frage ist: warum? Es ist kein Geheimnis, dass diese Tools riesige Mengen an Daten sammeln. Schließlich brauchen personalisierte Produkte personalisierte Daten. Doch ist es das wert? Und wie sicher sind diese Tools? Welche Tools öffnen die Geldbörsen der Verbraucher? Wir haben die Welt der Beauty-Technologien eingehend untersucht und einige interessante Erkenntnisse gewonnen.

Eine neue Ära der Schönheit

Es stimmt. Wir sind wirklich in eine neue Ära der Schönheit eingetreten. Früher brauchte eine Marke lediglich eine hübsche Verpackung, einen angenehmen Duft und einen günstigen Preis, damit ihre Schönheitsprodukte im Einkaufswagen der Kunden landeten. Heute sieht das ganz anders aus. 

Was wir suchen und wie wir es suchen, hat sich dramatisch verändert. Vor der Pandemie kauften 85 Prozent der Käufer Schönheitsprodukte im Laden – doch dann änderte sich alles. Die Menschen konnten neue Produkte nicht mehr persönlich ausprobieren, und sie konnten sie auch nicht mehr im Geschäft einkaufen. Zwischen März 2020 und Februar 2022 gaben die Verbraucher rund 1,7 Billionen Dollar für Online-Produkte aus, was die Online-Schönheitsbranche in Aufruhr versetzte. Dieses Wachstum ist ungebrochen: Von 2021 bis 2026 wird für den elektronischen Handel mit Gesundheits- und Beauty-Produkten ein Anstieg von 77 Prozent prognostiziert. 

Covid hat nicht nur die Käufer, die früher zum Einkaufen in den Laden gingen, dazu gezwungen, ihre Shopping-Lust jetzt online zu befriedigen. Es hat auch die Marken dazu veranlasst, die Art und Weise, wie sie ihre Produkte vermarkten, zu überdenken. Wie könnten sie es den Menschen ermöglichen, ihre Produkte zu Hause zu sehen, zu fühlen und zu testen? Durch virtuelles Testen, personalisierte Fragebögen und KI-Filter natürlich. Dies öffnete der Welt die Augen für ein individuelleres Beauty-Erlebnis – eines, bei dem Beauty-Käufer Produkte entdecken könnten, die genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind.

Im Allgemeinen sind die Verbraucher sehr viel gesundheitsbewusster geworden und wollen besser auf sich und die Umwelt achten. Sie wollen wissen, was das Richtige für sie, ihren Körper und ihre Schönheitsbedürfnisse ist – kurz gesagt: Sie wollen genau das, was ihr Körper braucht. Interessanterweise zeigen Studien, dass 71 Prozent der Verbraucher frustriert sind, wenn das Einkaufserlebnis nicht personalisiert ist. Ebenso würden über 40 Prozent der Verbraucher den Einsatz von Sprachassistenten für persönlichere Empfehlungen von Schönheitsprodukten in Betracht ziehen. Es besteht kein Zweifel daran, dass dies die Revolution von Beauty-Tech und KI noch zusätzlich anfeuert. Die Käufer wollen nicht mehr die gesamte Produktpalette durchstöbern, sondern nur die Produkte sehen, die für sie und ihre jeweiligen Bedürfnisse geeignet sind. KI zwingt Marken dazu, bedarfsspezifische Produkte anzubieten, und diejenigen, die das nicht tun, laufen Gefahr, ins Hintertreffen zu geraten.

Nimm zum Beispiel das Phänomen der individuellen Hautpflege. Die führende Hautpflegemarke The Ordinary hat einen Skincare Regimen Builder eingeführt, ein Online-Quiz, mit dem Verbraucher die richtigen Produkte für die Bedürfnisse ihrer Haut finden können. Dabei wird eine Reihe von Fragen zu Problemen, Eigenschaften und Beschaffenheit der Haut, zum Alter und zu den bevorzugten Hautpflegeprodukten gestellt.

Screenshot des Skincare Regimen Builders von The Ordinary.
In nur 4 Minuten erhältst du dein Hautpflegeprogramm von The Ordinary.

In nur vier Minuten erhältst du deine ganz persönliche Hautpflegeroutine für morgens und abends. Um die empfohlenen Produkte zu kaufen, musst du dann nur noch auf In den Warenkorb klicken. Ist das genial? Ja. Und es funktioniert: Untersuchungen haben ergeben, dass 75 Prozent der Verbraucher eher bereit sind, Produkte zu kaufen, wenn diese auf einer persönlichen Empfehlung basieren. Und nicht nur das: Wir sind auch eher dazu bereit, für zugeschnittene Empfehlungen tiefer in die Tasche zu greifen und etwas mehr auszugeben – 77 Prozent der Verbraucher haben sich für eine Marke entschieden, sie weiterempfohlen oder mehr für sie bezahlt, wenn sie ein personalisiertes Erlebnis bot. 

Offenbar sind wir bereit, Marken in einer Weise in unser Privatleben einzubeziehen, wie wir es noch nie zuvor getan haben. Überraschenderweise gaben 29 Prozent der Verbraucher zu, dass sie es zulassen würden, dass Marken ihre Emotionen und Stimmungen verfolgen, um ihr Einkaufserlebnis zu personalisieren. Sicher, das bedeutet, dass du Hautpflege und Make-up erhältst, die auf deine zu Stress neigende Haut zugeschnitten sind, aber man könnte auch argumentieren, dass dies ein massiver Eingriff in deine Privatsphäre ist. Muss deine liebste Hautpflegemarke wirklich wissen, ob du gerade einen schlechten Tag hast? Und was ist mit den Schwesterunternehmen und allen anderen, an die sie deine Daten weitergeben könnten?

Wenn wir uns ansehen, wie viele Daten diese Beauty-Tech-Tools über dich sammeln, erscheinen sie eher beängstigend als praktisch. Das Thema Datenschutz ist bei diesen Geräten eine ganz andere Sache. Es gibt keine einfache Lösung. Sicher, du kannst ein VPN nutzen (oder ein VPN kostenlos testen), um deine Daten zu anonymisieren, aber wenn du deine Daten freiwillig an diese Marken aushändigst, sei es durch Online-Quiz oder virtuelle Filter, können diese immer noch darauf zugreifen und sie speichern – mit oder ohne VPN. 

Sind diese Tools es wirklich wert, dass du deine Privatsphäre aufgibst? Es scheint, als hätten wir in dieser Angelegenheit keine große Wahl. Schönheitstechnologie ist überall – sogar Alexa in deinem Schlafzimmer ist mit am Start.

​​Maschinelles Schönheits-Lernen: dein Gesicht oder meins

In der Beauty-Tech-Branche herrscht weitgehend die „Erst testen, dann kaufen”-Methode vor, die es den Käufern ermöglicht, Produkte zu sehen und zu fühlen, bevor sie sich zu einem Kauf entscheiden. Dies bietet den Verbrauchern viel mehr als nur eine neue Kauferfahrung. Die Marken können so die Pain Points der Verbraucher verstehen und in Angriff nehmen, indem sie ihnen genau das geben, was sie brauchen. Den Kunden hilft dies wiederum, mehr Sicherheit für ihre Kaufentscheidungen zu erhalten – und es sorgt dafür, dass sie eher zu einem Kauf geneigt sind.

Die positiven Auswirkungen von Beauty-Tech lassen sich für die Marken nicht bestreiten. Die weltweit führende Make-up-Marke MAC verzeichnete einen Anstieg der Kundenbindung um 200 Prozent, weil sie mithilfe von Augmented Reality (AR) einen virtuellen Test für ihre Augen-, Gesichts- und Lippenprodukte anbot. Mit dem Try-on-Tool können die Kunden verschiedene Farbtöne testen und die perfekten Farben für ihren Hautton finden. Aber sie sind nicht die einzigen, die ein dramatisches Wachstum verzeichnen. Die durchschnittlichen Site-Sessions von Jane Iredale stiegen durch den virtuellen Test von Lippenstiftfarben um 300 Prozent. 

Auch Marianna Naturals steigerte durch eine personalisierte Hautpflegeanalyse den Website-Traffic um 300 Prozent und den Umsatz um 30 Prozent. Ihr KI-Diagnosetool für die Hautpflege analysiert Falten, Flecken, Hautbeschaffenheit und Augenringe der Kunden, um ihnen passend zu ihrem Teint ein individuelles Produktprogramm zu empfehlen. 

In vielen Fällen müssen Marken ihre Produkte nicht einmal direkt vermarkten. Eine Umfrage ergab, dass 43 Prozent der Käufer neue Beauty-Tech-Produkte über YouTube-Influencer gefunden haben, während 44 Prozent angaben, neue Produkte über Social-Media-Trends entdeckt zu haben. Selbst unsere Haushalts-Gadgets steuern unsere Käufe – 70 Prozent der Käufer haben festgestellt, dass sie gezielte Produktmarketing-E-Mails erhalten haben, nachdem sie über Siri oder Alexa etwas recherchiert hatten. 

Ist es da ein Wunder, dass wir neugierig darauf sind, diese Produkte auszuprobieren, wenn sie uns immer wieder vors Gesicht gehalten oder ins E-Mail-Postfach und in unsere Internet-Suchergebnisse bugsiert werden? Das hat auch unsere Neugier auf eine andere Frage beziehungsweise deren Antwort geweckt: Welche Trends und Tools beherrschen die Beauty-Tech-Branche?

Beauty-Tech: Die Tools und Trends auf dem Vormarsch

Smart Mirrors, virtuelle Tests, KI-gestützte Hautpflegeprogramme – die Menschen investieren in jede Menge Beauty-Tools.

Virtuelle Make-up-Tests

Virtuelle Make-up-Tests sind vielleicht eines der am weitesten verbreiteten und einflussreichsten Beauty-Tech-Tools auf dem Markt. Mindestens 31 Prozent der Konsumenten der Generation Z geben an, dass sie schon einmal mit einem solchen Tool experimentiert haben. 58 Prozent der Beauty-Shopper der Generation Z haben auch schon einen KI-Filter verwendet, um ein farbspezifisches Produkt zu finden.

Mit einem einfachen Filter können die Verbraucher eine ganze Palette von Produkten und Farben erkunden, um ihren nächsten Lidschatten oder Lippenstift zu finden. Einige Marken gehen sogar noch einen Schritt weiter, indem sie KI-generierte Empfehlungen und Bildanalysen einsetzen, um spezifische Produkte auf deine Bedürfnisse und deinen Teint abzustimmen. 

Genau wie bei Make-up-Tests setzen auch führende Marken im Bereich Haarpflege KI ein, um die Menschen mit neuen Haarfarben, Frisuren und Produkten experimentieren zu lassen. Diese Tools können deinen Haartyp und deine Haarfarbe analysieren, um dir die perfekte Frisur zu empfehlen, zusammen mit einer KI-generierten Liste empfohlener Produkte.

In der Regel musst du diesen Tools den Zugriff auf die Kamera und die Videofunktion deines Smartphones gewähren, sei es über die App der Marke, ihre Website oder einen QR-Code, den du einscannen musst. Das virtuelle Tool scannt dein Gesicht und deine einzigartigen Merkmale, damit du durch die Nuancen blättern und personalisierte Produktempfehlungen erhalten kannst. Mittels Fragebögen und Formularen erfassen sie in der Regel auch andere Daten, um weitere Informationen über deine Wünsche und Bedürfnisse zu erhalten. Das ist unglaublich praktisch – aber es ist auch besorgniserregend, dass wir unsere biometrischen Daten so bereitwillig aus der Hand geben. 

Der virtuelle Elizabeth Arden Store

Die führende Kosmetikmarke Elizabeth Arden hat einen virtuellen Laden mit KI-generierten Bildern eröffnet. Der VR-Store schuf ein immersives Erlebnis ihrer bekannten Boutique in der Fifth Avenue. Er beherbergte mehrere virtuelle Räume, die die Kunden betreten und verlassen konnten. Jeder Raum erzählte die Geschichte eines bestimmten Make-up-Produkts, darunter der Lippenstift Victory Red, der im Zweiten Weltkrieg entwickelt wurde. Die Käufer von Beauty-Artikeln konnten in jedem Raum Produkte kaufen und dabei das volle Marken- und Produkterlebnis genießen.

Intelligente Beauty-Gadgets

Früher – das heißt vor dem Aufkommen von Beauty-Tech – diente ein Spiegel nur dazu, das eigene Spiegelbild zu betrachten. Heute können Verbraucher mit einem Smart Mirror neue Produkte testen und erkunden, während mithilfe von maschinellem Lernen bestimmte Gesichtszüge und Merkmale wie Hautton und -beschaffenheit, Augenform und sogar das Alter analysiert werden. 

Viele intelligente Spiegel sind mit Foto- und Videotechnologie ausgestattet, sodass du direkt über den Spiegel Fotos und Videos übermitteln kannst. Das Ergebnis ist eine Reihe maßgeschneiderter Produkte, die auf deinen individuellen Daten basieren, oder sogar dein eigener digitaler Assistent, der dich bei der Auswahl bestimmter Produkte unterstützen kann. Die Marken können mit diesen Smart Mirrors auch andere Daten erfassen, zum Beispiel welche Artikel du getestet hast und wie lange, deine Kaufhistorie und fast alles andere, was du dir in Bezug auf deine Shopping-Gewohnheiten nur vorstellen kannst. All das mit einem Spiegel? Das ist zwar clever, aber es scheint, als würden wir fast überall verfolgt und beobachtet werden. 

Außerdem sind Spiegel nicht die einzigen Geräte. Intelligente Haarbürsten, Zahnbürsten und Trinkflaschen ziehen in die Branche ein, in der Regel mit Apps, die mit deinem Smartphone verbunden sind, um deine Gewohnheiten zu verfolgen. Intelligente Haarbürsten können verfolgen, wie du deine Haare bürstest, sie erkennen deinen Haartyp und deine Bedürfnisse, um dir bestimmte Produkte zu empfehlen. Frizz-Control? Gespaltene Spitzen? Zu stark gebleicht? Intelligente Haarbürsten können das alles erkennen. Wenn du plötzlich gezielte E-Mails und Werbung für Anti-Spliss-Haaröl siehst, weißt du, warum. Die Haarbürste sammelt mit jedem Bürstenstrich deine Daten.

Personalisierte Hautpflege

Neben Haaren und Make-up gibt es noch etwas anderes, das die Beauty-Tech-Branche dominiert: Hautpflege. Früher genügten ein Tuch zum Make-up-Entfernen und eine gut riechende Feuchtigkeitscreme, heute gibt es Zehn-Schritte-Hautpflegeroutinen mit Ölen, Seren, Feuchtigkeitscremes, Retinolen, LSF und allem, was dazwischen liegt. Dank KI ist es einfacher denn je, herauszufinden, welche Produkte du für deine Hautpflege benötigst.

Führende Marken investieren in KI und AR, um das Hautkolorit ihrer Konsumenten zu analysieren und alles von Beschaffenheit und Farbe bis hin zu Falten, Sonnenschäden und Hautunreinheiten zu untersuchen. Neben personalisierten Fragebögen können Hautpflege-Tools eine ganze Reihe von Produkten für deine spezifischen Hautprobleme und -bedürfnisse empfehlen. Einige können sogar nachverfolgen, wie deine Haut aussehen würde, wenn du die empfohlenen Produkte verwendest, oder sehen, wie deine Haut im Laufe der Zeit altert. In vielen Fällen werden die technischen Hilfsmittel für die Hautpflege zu einem Teil unseres täglichen Pflegerituals und ermöglichen es uns, Updates zu protokollieren, Veränderungen zu verfolgen und die neuesten Produkte zu kaufen.

Skincredible von Sephora

Skincredible von Sephora ist ein Gerät, mit dem Kunden in den Geschäften individuelle Empfehlungen für die Hautpflege erhalten können. Es scannt das Gesicht der Kunden, um den Typ, die Bedürfnisse und den Zustand ihrer Haut sowie die wichtigsten Problempunkte zu analysieren. Das Gadget analysiert vier Hauptkategorien: Poren, Talg, Feuchtigkeit und Linien/Falten. Um genauere Ergebnisse zu erzielen, sammelt es auch individuelle Daten wie Lebensstil, Alter und Sonneneinstrahlung. Anschließend empfiehlt es spezifische Sephora-Produkte aus acht Kategorien, darunter Make-up-Entferner, Reinigungsprodukte, Toner, Seren, Feuchtigkeitscremes, Augencremes, Sonnencremes und Gesichtsmasken.

Beauty-Einkäufe im Metaverse

Neben technischen Hilfsmitteln setzen viele Kosmetikunternehmen auf das Metaversum und überbrücken die Kluft zwischen der Online- und der Offline-Welt. Die Verbraucher können neue Produkte ausprobieren und erforschen und so in verschiedene Welten eintauchen, in denen sie immersive Erfahrungen sammeln können. Marken können die Käufer in virtuelle Räume einladen, die physischen Geschäften nachempfunden sind, und ihnen die Möglichkeit geben, an Markenveranstaltungen teilzunehmen, sich mit anderen Verbrauchern auszutauschen, Spiele zu spielen oder Geschichten über die Marke zu entdecken. Außerdem können sie direkt im Beautyverse Produkte kaufen, wodurch es für sie einfacher wird denn je, die neuesten Produkte zu ergattern.

Ist Beauty-Tech datenhungrig?

Gemeinsam mit der Beauty-Tech-Branche wachsen auch die Bedenken hinsichtlich dieser Technologie, insbesondere in Bezug auf den Datenschutz. KI-Tools für die Schönheitspflege sind auf riesige Mengen an persönlichen Daten angewiesen, um den Verbrauchern das versprochene hyperindividuelle Erlebnis zu bieten. Es ist einfach nicht möglich, dieses Maß an Personalisierung zu bieten, ohne Daten zu sammeln – aber ist es das wert? 

Die Art der Daten, die diese Tools sammeln, fällt in der Regel in eine oder mehrere von drei Kategorien: kontextbezogen (Standort und Wetter), demografisch (Alter, Sorgen, Allergien und persönliche Ziele) und verhaltensbezogen (Browserverlauf, Suchbegriffe, abgebrochene Warenkörbe und Kaufgewohnheiten). 

Bestimmte KI-Anwendungen, wie z. B. virtuelle Tests und Filter, stützen sich auf die Gesichtserkennung, um individualisierte Ergebnisse zu erzielen. Dazu gehören äußerst detaillierte Informationen über dein Gesicht und deine Gesichtszüge, in der Regel durch Zugriff auf die Kamera, das Mikrofon und die Videofunktion deines Smartphones. Je genauer das KI-Tool ist, desto mehr Informationen benötigt es. Es kann alles erfassen, von deiner genauen Gesichtsform bis hin zu Netzhautscans. Das ist so riskant, wie es klingt.

Screenshot von MAC's virtuellem Make-up-Tool zum Anprobieren.
Gib der virtuellen Anprobe Zugriff auf deine Kamera … und gib deine Privatsphäre auf.

Genau wie dein Fingerabdruck und deine DNA fallen auch Gesichtsmerkmale in die Kategorie der biometrischen Daten, die leicht zu deiner Identifizierung verwendet werden können. Die Art dieser Daten bringt es mit sich, dass Beauty-Tech-Unternehmen eine ordnungsgemäße Zustimmung für die Erfassung, Verwendung und Speicherung dieser Daten einholen müssen, auch wenn das wohl nicht alle Unternehmen so genau nehmen. 

In den letzten Jahren gab es immer wieder Fragen darüber, wie Kosmetikmarken die persönlichen Daten ihrer Kunden erfassen und verwenden. Viele bekannte Unternehmen gerieten in die Schlagzeilen und sahen sich mit Gerichtsverfahren rund um Datenschutzbedenken konfrontiert. Die globale Make-up-Marke Sephora musste eine Geldstrafe in Höhe von 1,2 Millionen US-Dollar zahlen, weil sie gegen das kalifornische Verbraucherschutzgesetz verstoßen hatte. Angeblich hat Sephora die personenbezogenen Daten von Verbrauchern illegal über Tracker von Drittanbietern verkauft, um gezielte Werbung und Rabatte anzubieten. Die Marke hielt sich auch nicht an die Opt-out-Anträge der Verbraucher und sendete weiterhin gezielte Marketinginformationen, selbst nachdem die Verbraucher ihre Zustimmung zurückgezogen hatten.

Im Mai 2022 geriet auch Estée Lauder ins Rampenlicht, nachdem eine Klage gegen die virtuelle Testmethode des Unternehmens eingereicht wurde. Der Make-up-Marke wurde vorgeworfen, durch den Einsatz von Gesichtserkennung, für die sie keine Gründe nannte, illegal biometrische Daten der Verbraucher zu sammeln. Das virtuelle Test-Tool enthält einen Link zu den Datenschutzrichtlinien des Unternehmens, in denen jedoch nicht angegeben ist, dass die biometrischen Daten der Verbraucher erfasst oder gespeichert werden. 

Auch wenn es zu erwarten ist, dass ein virtuelles Test-Tool auf Gesichtserkennung angewiesen ist, um zu funktionieren, hat Estée Lauder es versäumt, dies irgendwo offenzulegen. Die Tatsache, dass die Datenschutzrichtlinie nicht eindeutig ist und nicht ausdrücklich um Zustimmung gebeten wird, war ein direkter Verstoß gegen die lokalen Gesetze zum Schutz der Privatsphäre der Verbraucher und zur Kontrolle über ihre Daten.

Screenshot des virtuellen Make-up-Filters von Estee Lauder für die Anprobe.
Estée Lauders virtuelle Anprobe hat große Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes hervorgerufen.

Selbst wenn eine Einwilligung eingeholt wird, stellt sich die Frage, wie freiwillig sie erteilt wird. Einige Beauty-Tech-Unternehmen berufen sich auf eine stillschweigende Einwilligung, in der Regel mit einem bereits angekreuzten Kästchen, bei dem die Verbraucher vergessen, es zu deaktivieren. Sie können sogar die Zustimmung zur Weitergabe biometrischer Daten mit der Zustimmung zur Zusendung von Marketingmaterial, zur Verfolgung von Analysen oder zur Weitergabe von Daten an Dritte kombinieren. In diesem Beispiel bedeutet dies, dass ein Verbraucher ein virtuelles Test-Tool nicht nutzen kann, ohne gleichzeitig zuzustimmen, dass er überwacht wird und dass seine Daten an unbekannte Empfänger weitergegeben werden. Welche Reise die biometrischen Daten dann über das Internet zurücklegen, ist unbekannt. Wenn ein unbefugter Nutzer Zugang zu den Gesichtsdaten erhält, kann er diese Informationen auf jede beliebige Art und Weise nutzen – ob rechtmäßig oder nicht. 

Es gibt auch weitere Bedenken hinsichtlich der Methoden in Geschäften und offline, insbesondere bei Smart Mirrors. Einige Kosmetikmarken verwenden intelligente Spiegel in ihren Geschäften, um den Kunden die Möglichkeit zu geben, virtuelle Test-Tools auszuprobieren, während sie in einem physischen Geschäft einkaufen. Holen die Mitarbeiter im Laden die ausdrückliche Zustimmung der Kunden ein? Erläutern sie, wie deren Daten verwendet werden, bevor sie sie zur Nutzung des virtuellen Test-Tools einladen? All dies sind Fragen, auf die es noch keine Antwort gibt und die sicher weiter untersucht werden, da die Schönheitstechnologie den Markt weiterhin dominiert.

Trotzdem scheinen die wirtschaftlichen Vorteile für einen großen Teil der Verbraucher schwerer zu wiegen als die Risiken in Bezug auf den Datenschutz. Studien zeigen, dass nur 23 Prozent der Verbraucher weltweit das Gefühl haben, die Kontrolle über ihre privaten Daten zu haben, obwohl einige Generationen eher bereit sind, für einen größeren Nutzen Kompromisse hinsichtlich ihrer Privatsphäre einzugehen. Personalisierte Einkaufserlebnisse scheinen ihnen demnach einen derartigen Mehrwert zu bieten, der dies rechtfertigt. Mehr als 50 Prozent der Millennials und der Generation Z sind bereit, ihre Daten weiterzugeben und zuzulassen, dass Unternehmen sie im Gegenzug für einen höheren Nutzen an Dritte weitergeben. Auch wenn die Risiken rund um den Datenschutz möglicherweise zu markant sind, um sie zu ignorieren, scheinen viele von uns genau das zu tun.

Kauf- und Ausgabegewohnheiten bei Beauty-Tech

Die Ausgaben für Beauty-Tech-Tools steigen überall, wobei einige Länder den Markt stärker vorantreiben als andere. Die US-Verbraucher geben im Durchschnitt 1.754 Dollar im Jahr für Schönheits- und Kosmetikprodukte aus, was vielleicht der Grund dafür ist, dass der US-Beauty-Tech-Markt hier schneller wächst als anderswo. 

Im Jahr 2021 belief sich der Umsatz des US-amerikanischen Beauty-Tech-Marktes auf 1,34 Milliarden Dollar. Bis 2026 werden die geschätzten Einnahmen 3,42 Milliarden Dollar erreichen. Der zweitgrößte Markt ist China, auch wenn der Umsatz bis 2026 voraussichtlich nur auf 2,25 Milliarden Dollar steigen wird – mehr als 40 Prozent unter dem der USA. Japan und das Vereinigte Königreich folgen dicht dahinter. Wenn wir uns anschauen, wohin unser Geld fließt, so geben die Verbraucher das meiste Geld für Hautpflege-, Haarpflege- und Make-up-Produkte aus. Jetzt wissen wir, warum wir in diesen drei Kategorien immer mehr Beauty-Tech-Tools sehen.

Die Ausgaben für Beauty-Tech unterscheiden sich auch, wenn wir einen genaueren Blick auf die Kaufgewohnheiten der einzelnen Generationen werfen. Zwei Gruppen haben darunter die größte Kaufkraft: die Generation Z und die Millennials. Millennials blättern jedes Jahr 2.670 Dollar für neue Schönheitsprodukte hin, was 48 Prozent aller Online-Beauty-Käufe ausmacht. 

Auch die Generation Z ist dem Beauty-Tech-Trend verfallen, auf sie entfallen 35 Prozent aller Online-Käufe im Beauty-Bereich. Diese Gruppe gibt jedes Jahr durchschnittlich 2.048 Dollar für neue Schönheitsprodukte aus. Zusammen geben die Verbraucher beider Generationen jedes Jahr den verschwenderischen Betrag von über 4.000 Dollar ihres verfügbaren Einkommens für Schönheitsprodukte aus. Für manche mag das ein unvorstellbarer Betrag sein, aber für diese beiden Gruppen ist es eine echte Investition.

Aktuelle Studien zeigen, dass über 68 Prozent der Konsumenten der Generation Z in Europa personalisierte Beauty-Empfehlungen wünschen. Es ist deutlich erkennbar, dass Käufe über Beauty-Tech einen bedeutsamen Teil ihres monatlichen Einkommens ausmachen. Tatsächlich kaufen 70 Prozent aller Online-Kosmetikkäufer jeden Monat ein neues Produkt. Und 31 Prozent der Verbraucher kaufen mindestens einmal pro Woche ein Beauty-Produkt.

Der Social-Media-Effekt

Trotz wöchentlichen Beauty-Nachschubs nehmen sich die Verbraucher immer noch die Zeit, Produkte vor dem Kauf gründlich zu recherchieren. Dies betrifft insbesondere die Generation Z. Fast 50 Prozent der Käufer der Generation Z führen vor dem Kauf eine ausgiebige Recherche über die Inhaltsstoffe von Produkten und deren Vorteile durch. Wie? Soziale Medien scheinen das Mittel der Wahl zu sein.

Der Einfluss von Social Media auf Beauty-Tech-Ausgaben ist offensichtlich. Fast die Hälfte der US-Kosmetikkäufer gibt an, neue Produkte über soziale Medien zu finden, während 46 Prozent sagen, Social Media seien der Grund, warum sie mehr für Beauty-Produkte ausgeben. Wenn du eine beliebige Social-Media-App öffnest, dann siehst du trendige Hashtags, neue Produkte, Testvideos von Influencern und In-App-Shopping-Links. Macht Sinn.

Einige Social-Media-Apps wie TikTok, Instagram und Snapchat verfügen sogar über integrierte KI-Filter, mit denen du Produkte direkt testen kannst. Es ist einfacher denn je, Produkte auf Social-Media-Plattformen zu entdecken, auszuprobieren und zu kaufen. Und mit den Optionen zum automatischen Ausfüllen von Adress- und Zahlungsdaten kannst du dein neues Beauty-Produkt in weniger als einer Minute kaufen. 

Auch wenn alle Social-Media-Plattformen Käufe über Beauty-Tech vorantreiben, übt eine App mehr Einfluss aus als andere: Auf TikTok entfallen 89 Prozent aller Kosmetikkäufe über Social Media in den USA, gefolgt von Instagram mit 66 Prozent. Dank TikTok Shop und einer neuen Art, Videoinhalte zu konsumieren, war es für Marken und Influencer noch nie so einfach, die Verbraucher zum Kauf zu bewegen.

Bedenken der Verbraucher & Herausforderungen der KI-Schönheit

Während sich der KI-Beauty-Tech-Markt weiterentwickelt, machen sich die Verbraucher zunehmend Gedanken darüber, wie diese Tools ihre Daten nutzen und speichern. Über den Datenschutz und die Gesichtserkennung hinaus sehen sich Marken aber auch mit Herausforderungen in Bezug auf Inklusivität und Voreingenommenheit konfrontiert. 

Virtuelle Testmethoden und KI-Filter sollen individuelle Empfehlungen liefern, mit Produkten, die zum Hauttyp der Verbraucher passen. Doch was passiert, wenn diese Tools nicht darauf trainiert sind, alle Hautvariationen und -farben zu erkennen? Als Verbraucher sind wir immer mehr darauf bedacht, wie Marken Vielfalt und Inklusivität von Ethnien, Körpertypen, Körperformen und einzigartigen Merkmalen demonstrieren. Um erfolgreich zu sein, müssen Marken sicherstellen, dass die von ihnen entwickelten Tools den Bedürfnissen und Veranlagungen der Verbraucher gerecht werden.

Auch die psychische Gesundheit und das Selbstbild sind für die heutigen Beauty-Konsumenten von großer Bedeutung. Studien haben gezeigt, dass 21 Prozent der Verbraucher der Generation Z der Meinung sind, dass KI-Filter ein Aussehen zeigten, das unerreichbar sei, und 18 Prozent meinen, KI erzeuge zu viel Druck, um schön auszusehen. Trotz des Erfolgs von Beauty-Technologien scheint es, als würden wir weiterhin die Bedenken der Verbraucher in Bezug auf ihr Selbstbild und den gesellschaftlichen Druck, auf eine bestimmte Art und Weise auszusehen, ausgleichen müssen. Können Beauty-Tech und natürliche Schönheit zusammenarbeiten? Wir werden es abwarten müssen.

Die Zukunft von Beauty-Tech

Die Zukunft der Schönheitstechnologie scheint von der virtuellen Realität bestimmt zu sein. Der Markt wird in den kommenden Jahren exponentiell wachsen, wobei immer mehr Verbraucher in die neueste und beste Beauty-Technologie investieren werden. Es besteht kein Zweifel, dass wir neue Beauty-Tech-Player und noch fortschrittlichere Tools sehen werden, aber dies bringt seine Herausforderungen mit sich.

Einige der beliebtesten Marken waren bereits mit Klagen wegen Datenschutz und Datenmissbrauch konfrontiert. Könnte es sein, dass mit der weiteren Expansion des Marktes noch mehr Beauty-Tech-Unternehmen gegen Datenschutzgesetze verstoßen? Auch wenn die Verbraucher ganz klar bereit sind, den Preis für die Weitergabe biometrischer Daten im Austausch für eine personalisierte Hautpflegeroutine zu zahlen, bleibt dennoch die Frage offen, ob es das wirklich wert ist. Wie viel von unserer Privatsphäre sind wir bereit, für einen Smart Mirror aufzugeben, der uns sagt, dass wir mehr Falten haben, als wir dachten?

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